Aber der Wahlkampf!!

Auch wenn dieser Beitrag mit dem #om13gate zusammenhängt, werde ich hier nicht tiefer darauf eingehen. Wer darüber lesen will, kann gerne meine Twitter-Timeline nachlesen. Oder ihr lest den Beitrag von @crackpille, der hat eigentlich eh schon alles gesagt:

http://benjamin-siggel.eu/2013/08/30/ueber-das-vernichten-von-menschen/

Worauf ich hier eingehen will, sind die Vorwürfe, die mir und anderen entgegenschlagen, weil wir uns in diese Geschichte reinhängen. Genauer: auf einen der Vorwürfe. Der Vorwurf, wir hätten jetzt doch gerade Wahlkampf. Da wäre nicht die Zeit für Shitstorms und für innerparteiliche Kämpfe.

Zuerst: Bei im Schnitt 40 und mehr Stunden pro Woche Parteiarbeit fühl ich mich da eh nicht sonderlich getroffen. Aber das ist auch egal. Denn der Vorwurf ist so falsch wie er nur sein kann.

Wenn wir wirklich „andere“ Politik machen wollen, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Parteien und Politiker, die Probleme totschweigen, weil es dem einen oder anderen Wahlkampf schaden könnte (und irgendwo ist fast immer Wahlkampf), haben wir bei weitem genug.

Ich bin nicht bereit, mich auf den gleichen Pfad zu begeben und damit genau die gleichen Fehler zu machen, wegen denen Politikern nicht mehr vertraut wird. Ihr könnt euch gerne entscheiden: Macht ihr das alles, um ein paar Prozente bei Wahlen zu bekommen und damit ein paar Abgeordnete, oder macht ihr das alles, weil ihr Themen voranbringen wollt, weil ihr Menschen von euren Ideen überzeugen wollt, weil ihr selbst überzeugt seid, dass diese Ideen richtig sind?

Wir können uns entscheiden, ob wir auf Teufel komm raus in den Bundestag kommen wollen und dabei den Menschen alles erzählen, was sie hören wollen und verschweigen, was sie nicht hören sollen. Oder wollen wir in den Bundestag kommen, weil die Wähler davon überzeugt sind, dass unsere Ideen richtig sind? Klar, für uns bleibt das Ergebnis erstmal das Gleiche: Abgeordnete, Prozente, Einfluss, Macht, ihr kennt das.

Aber eine Partei, die sich für ihre Basisdemokratie und Transparenz rühmt, muss dies eben auch vorleben.
Zur Transparenz gehört ganz besonders, auch das zu zeigen, was unschön ist. Für die schönen Dinge brauchen wir keine Transparenz.

Das machen die anderen auch.

Für den Mist, der hintenrum passiert, brauchen wir das!

Zur Basisdemokratie gehört es, Menschen zu überzeugen. Nicht, ihnen das Blaue vom Himmel zu versprechen für die Prozente, und dann etwas anderes zu machen.

Das machen die anderen auch.

Die Entscheidung, welche Art Politik ihr machen wollt, müsst ihr selbst treffen. Die kann und will ich euch nicht abnehmen. Aber genauso treffe ich diese Entscheidung auch selbst.

Und die hab ich getroffen. Meine Entscheidung ist, dass ich Dinge, die falsch laufen, anspreche. Dass ich es auch wenige Tage vor der Wahl auf Twitter breit trete, wenn Mitglieder meiner eigenen Partei anfangen, einen anderen Menschen zu mobben, zu bedrohen, zu beleidigen. Zu „vernichten“, wie @crackpille schrieb. Dass ich hier gegen Mitglieder meiner Partei arbeite, wenn es notwendig ist. Ob euch das gefällt oder nicht. Und das ist nur das gerade aktuelle Beispiel, andere Beispiele gibt es regelmäßig, vielleicht manchmal weniger „wichtig“, aber das ist egal.

Es täte mir leid für die guten Leute, die ich gerne in den Parlamenten sehen würde. Und zwar nicht als Hinterbänkler, wie manch andere Mitglieder es hoffen. Aber ganz ehrlich: Ich traue denjenigen, die ich dort sehen möchte, ohne Weiteres zu, meine Entscheidung nachvollziehen zu können.

Den anderen, denen, die das nicht akzeptieren wollen, kann ich diesen Link hier nahelegen:
So wird man mich los

Ja, ich werde das weiterhin genau so handhaben. Und ich würde es selbst dann so handhaben, wenn ich wüsste, dass meine Äusserungen die Partei genau die 5 Stimmen kosten, die uns über die 5%-Hürde heben. Ich will mir weiterhin im Spiegel in die Augen sehen können. Das kann ich auch, wenn wir nicht in Parlamente einziehen. Aber das kann ich nicht, wenn ich Dinge wie derart massives Mobbing verschweige, weil es gerade beim Stimmenfang stört. Ich werde auf keinen Fall mein Mitgefühl und meine Integrität für ein paar Stimmen bei einer Wahl aufgeben.

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